Kategorien
Nico berichtet PneumantDragon Wettkämpfe

3. Indoor Cup in Riesa – Paddelbruch und blaues Auge, aber den Pokal nehmen wir mit

Am 7. März war es endlich soweit: Der dritte Drachenboot Indoor Cup in Riesa stand an und wir mittendrin. In den frühen Morgenstunden starteten wir in Fürstenwalde, irgendwo zwischen Nacht und Morgengrauen, wo Kaffee eher Lebenselixier als Getränk ist. Die Stimmung im Bus: müde, aber erwartungsvoll. Nur die eine oder andere Radarkontrolle auf der Strecke sorgte für dezente Blitzlichter und erste Lacher, wer braucht schon Paparazzi, wenn es Blitzer gibt.

In Riesa angekommen, empfing uns die Schwimmhalle mit einem Klima, das irgendwo zwischen Tropenhaus und finnischer Sauna lag. Die Luft so warm und feucht, dass selbst unsere Paddel kurz überlegten, ob sie nicht lieber schwimmen statt arbeiten wollen. Ursprünglich hatten wir einen Podiumsplatz in der ersten Etage, schön mit Überblick, aber auch mit voller Tropenhitze. Nach kurzer Lagebesprechung und dem einhelligen Urteil „Hier verdunstet man ja schon im Sitzen“ tauschten wir kurzerhand ins Erdgeschoss, gefühlte zwanzig Grad kühler und damit deutlich näher an menschlichen Bedingungen.

Sportlich wurde es ernst: Wir starteten in der Kategorie Sport Mixed, gespickt mit hochkarätigen Teams aus Leipzig, Riesa, Dessau, Cottbus und natürlich uns aus Fürstenwalde. Wir waren gespannt, wo wir uns einreihen würden. Trainiert hatten wir im Schwapp ausgiebig, energisch und mit dem festen Ziel, nicht nur dabei, sondern vorne mit dabei zu sein.

Der erste Vorlauf war unser Türöffner in den Tag. Hoch fokussiert, Startkommando, Druckaufbau,  nach nur 14 Sekunden war der Drops gelutscht, der Gegner auf seiner Seite und wir mit dem ersten Sieg im Gepäck. Der zweite Vorlauf lief noch runder. Acht Sekunden Vollgas, kraftvolle Schläge, saubere Abstimmung, erneut Sieg. Im dritten Vorlauf zündeten wir endgültig den Turbo. Sieben Sekunden, ein kompromissloser Start, und das gegnerische Boot wurde gnadenlos auf seine Seite des Beckens zurückverwiesen. Die Trainingsarbeit zahlte sich spürbar aus, Technik, Timing und Teamgeist griffen ineinander, wie man es sich wünscht.

Im Halbfinale wartete dann ein alter Bekannter: unsere Paddelfreunde aus Cottbus. Der Start war diesmal nicht ganz so geschmeidig wie zuvor, kleinere Synchronitätsprobleme ließen das Boot kurz unrund laufen. Doch anstatt nervös zu werden, sortierten wir uns im Rennen, fanden nach einigen Schlägen in unseren Rhythmus und begannen, das Blatt zu wenden. Knapp 30 Sekunden quälende Spannung am Seil, kräftiger Gegendruck und dann die Erlösung: Wir setzten uns durch und sicherten uns das Ticket für das Finale.

Das Final gegen das Team H Dragons 2 hatte alles, was ein Finale braucht, Spannung, Emotionen und einen Moment, den so schnell keiner von uns vergessen wird. Etwa zur Hälfte des Rennens, das ebenfalls knapp 30 Sekunden dauern sollte, kam es zu einer Szene, die für uns im Boot zunächst völlig rätselhaft war. Unser Trainer schien plötzlich auszusetzen. Für uns schien es, als hätte er aufgehört zu paddeln, war der Wunsch nach der Schluss-Tröte so einnehmend, dass er sich diese schon vorgestellt hatte? War das Rennen schon vorbei?

Was wir im Boot nicht sehen konnten, war am Beckenrand sofort klar: Sein Paddel war nach etwa 15 Sekunden gebrochen. Der Griff löste sich und die verbleibende Spitze am oberen Paddel rammte sich in der Bewegung kurz, aber schmerzhaft in seine Augenbraue. Benommen, mit blutender Wunde und defektem Paddel, tat er jedoch das Einzige, was für ihn in Frage kam: weitermachen. Er paddelte weiter, so gut es mit dem Rest seines Paddels ging, für uns als Team, für sich selbst und für unseren Sieg.

Während wir im Boot nichts von der Dramatik im Detail verstanden, kochte die Spannung am Beckenrand hoch. Der Sanitäter war nach dem Zieleinlauf sofort zur Stelle, wir waren noch halb in der Endorphinwolke des Sieges und gleichzeitig komplett geschockt. Minuten des Bangens vergingen. Nach einer gefühlten Ewigkeit die erlösende Nachricht: Das Auge ist unversehrt, auch wenn die Wunde groß und deutlich sichtbar war. Sie konnte geklebt werden, kein bleibender Schaden, es hätte im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen können.

Mit dieser Entwarnung konnten wir unseren Erfolg erst richtig realisieren. Der Finalsieg war die Krönung eines Tages, an dem sich all die harte Arbeit im Training ausgezahlt hatte. Jeder Start, jeder Schlag, jede schnelle Korrektur im Rennen, all das hatte uns auf genau diesen Moment vorbereitet. Die Siegerehrung war entsprechend ein echtes Highlight: ein toller Pokal, strahlende Gesichter und als Bonus noch eine riesige Portion Nudeln vom Sponsor, die wir mit sportlich-professioneller Hingabe sehr gerne entgegen nahmen. Verfressene Paddler eben, aber mit Pokal.

Zum Abendessen kehrten wir in die Gaststätte „Goldener Löwen“ ein, die mit ihrer angrenzenden Pension gleichzeitig unser Nachtlager für die Zeit bis zum Sonntag stellte. Das Essen war reichlich und lecker und die Bedienung wartete mit herzhaften Sprüchen auf, die perfekt zu unserem appetitstarken Auftritt passten. Zwischen Schnitzel, Würzfleisch, Salat und diversen Getränken wurde viel gelacht, der Tag aufgearbeitet und der ein oder andere Rennmoment nochmal im Detail seziert. Nur unser Trainer „telefonierte“ die ganze Zeit … mit dem Kühlakku.

Damit war der Tag noch nicht zu Ende. Die wohl legendäre Party rief und wir folgten. Mit viel Getränkenachschub, noch mehr guten Gesprächen, einem bunten Mix aus professionellen und sehr unprofessionellen Tanzschritten ließen wir diesen erfolgreichen Wettkampftag ausklingen. Auf der Tanzfläche zeigte sich eindrucksvoll, dass Rhythmusgefühl im Boot nicht automatisch mit Eleganz auf dem Parkett einhergeht, aber genau das machte es so sympathisch.

Am Ende bleiben ein sportlich starker Auftritt, ein Finalsieg, ein Trainer mit heldenhaft erkämpfter Augenbraue, ein Tag voller Emotionen, Schweiß, Nudeln und Tanz und die Gewissheit, dass sich unser Training mehr als gelohnt hat. Ein riesiges Dankeschön an alle Teams für die jederzeit fairen Rennen und die tolle Stimmung in der Halle. Unser besonderer Dank geht an die Elbe Crew bzw. den SV Riesa für die hervorragende Organisation und den rundum gelungenen Wettkampftag.

Wir kommen gerne wieder, mit heilen Paddeln, frischen Augenbrauen, viel Teamgeist und mindestens genauso viel Lust auf schnelle Rennen wie auf legendäre Partys.